Au backe, das tat weh.
Der elfjährige Ferdinand nimmt einen Stock,
schlägt damit gegen das Gesicht des gleichaltrigen Bruno
und haut diesem zwei Zähne raus.
Prügeln sich die Kinder, ist der Eltern-Zoff meist vorprogrammiert.
Und so treffen sich die Erziehungsberechtigten zu einer Aussprache:
eine Schriftstellerin, ein Anwalt, eine Maklerin und ein Großhändler.
Alle Vier gehören zur intellektuellen Pariser Oberschicht.
Tja, Gewalt kommt eben auch in den besten Kreisen vor.
Passend dazu möchte Véronique, die Mutter von Bruno, die Angelegenheit
nach den Regeln der „Kunst des zivilisierten Umgangs miteinander“ klären.
Ganz ohne „Gefühlsmechanismen“ und bitte mit ganz viel Contenance:
hier der Smalltalk über Tulpen,
dort das vermeintliche Interesse an der Frau Großmama
und schließlich der aufgetischte Clafoutis aus der Picardie.
Doch schnell wird klar: geht es um das eigene Kind,
entwickeln sich Eltern schonmal zum Tier und lassen die Krallen sprechen.
Die zwei Elternpaare gehen in spitzfindigen Diskussionen an die Decke,
bekriegen sich unterschwellig mit Wortpfeilen und spucken Gift und Galle.
Bei so viel Druck im Kessel wundert es kaum,
dass sich bei den Superintellektuellen erst der Magen dreht
und dann sogar der Clafoutis wieder hochkommt.
Daran ändert auch das feine Geheimrezept von Véronique nichts.
Fein ist übrigens bald nichts mehr bei diesem schrägen „Kaffekränzchen“,
feinfühlig erst recht nicht.
Die vier Supereltern lassen sich gehen und ihren Emotionen freien Lauf.
Und schließlich fallen die Masken und die Vorzeigeeltern
drehen sich mehr um sich selbst, als um Bruno oder Ferdinand:
Der Vater von Ferdinand (gespielt von Jonas Kuley) möchte schon die ganze Zeit
lieber einen wichtigen Kunden verhätscheln, als sich Predigten anhören.
Die Mutter von Ferdinand (gespielt von Ursula Strickstrock) gesteht sich ein,
dass Kindererziehung eigentlich todlangweilig ist.
Der Vater von Bruno (gespielt von Valerio Magno) outet sich als Choleriker
und hatte sowieso keine Lust auf dieses „idiotische Gequatsche“.
Und die Mutter von Bruno (gespielt von Kathrin Magno) spricht ganz undiplomatisch aus,
dass sie angewidert ist von ihrem Ehemann,
der eigentlich ein negativer Durchschnittstyp ist.
Das klingt schon nach dem krachenden Ende?
Mitnichten! DAS ist erst der Weg ins große Finale!
Denn bekanntlich geht schlimmer eben immer.
Und auf peinlich folgt noch peinlicher.
Au backe, das tut weh.
Zumindest den Lachmuskeln der Zuschauer.
Das Ensemble
Kathrin Magno, Ursula Strickstrock, Jonas Kuley und Valerio Magno
sind das Ensembles des Theatervereines kompAct theater e.V. aus Mechernich.
Die Regie liegt in den feinfühligen Händen von Justine Fichtner.
Für die Technik verantwortlich ist Steffen Florl.
Gastspiel am 28.06.2026 um 18.00 Uhr
Gefördert durch: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW
Amateurtheaterverband NRW